Chili Wildarten

Es gibt etwa 33 eindeutig zu bestimmende Arten der Gattung Capsicum. Primär werden von diesen nur fünf von Chilizüchter weltweit angebaut. Immerhin lassen sich 3.000 Chilisorten diesen fünf domestizierten Capsicum Arten zuordnen. So bleiben die übrigen 28 Wildarten weitgehend ungenutzt.

Unter diesen wilden Chilis befinden sich jedoch einige hochinteressante Pflanzen. Es wäre schade, wenn Sie nicht die eine oder andere Wildsorte in Ihrer Chilizucht integrieren.

Bild Borderland Texas Mexiko

Noch heute wachsen wilde Chilis von den amerikanischen Südstaaten über Mexiko, Chile bis nach Argentinien. An der Grenze zwischen Mexiko und den USA, den Borderlands, finden sich etliche wild wachsende Chili-Sträucher. An diesen reifen kleine Beeren oder kurze und schmale Chilischoten aufrecht stehend.

Beim Pflücken fällt auf, dass sich die Beeren leicht von deren Stiele lösen lassen. Vermutlich um es den Vögeln leichter zu machen, von den Chilis zu naschen und damit deren Samen zu verbreiten. Bei den von uns kultivierten Chilisorten ist die Verbindung zwischen Stiel und den schwereren Chilischoten deutlich haltbarer.

Wilde Chilis

Wilde Chilis haben ein komplexes Aroma. Meistens bedarf es eine ganze Zeit um dieses im Mund zu erschmecken. Es können erdige, grasige Noten und ein süßlicher Geschmack wahrgenommen werden. Wegen des Schärfegrades ist äußerste Vorsicht geboten. Selten, dass die Schwankungen der Schärfe so unterschiedlich sein kann.

Selbst bei ein und derselben Pflanze können Chilischoten oben recht mild sein, während sie im unteren Bereich wie Hölle brennen.

In der Medizin und Heilpflanzen-Forschung werden tropische Wildarten zunehmend erforscht. Vogelaugen-Chilis sind wegen der hohen Anzahl an Alkaloide ein interessantes Forschungsobjekt. Wilbur Scoville untersuchte schon vor dem ersten Weltkrieg die Möglichkeiten von Capsaicin. Um die Forschungsergebnisse messbar zu machen, erfand er eine bis heute gültige nach ihm benannte Scoville-Skala.

Seltene Chilisorten

Chili Wildsorten sind bei uns selten zu bekommen und gelten demnach als Raritäten. Dabei haben diese ursprünglichen Chilisorten kostbares Genmaterial. Sie können mit kommerziellen Chilis gekreuzt werden um deren Nachfahren resistenter zu machen oder die Anpassungsfähigkeit zu erhöhen.

 

Capsicum rhomboideum

Bei der Capsicum rhomboideum wurden Zweifel laut, ob es sich tatsächlich um eine Chilisorte handelt. Sie ist zwar ähnlich behaart wie Rocotos, ansonsten haben weder die Früchte noch deren Wuchsform viel gemeinsam. Dank einer Genanalyse wurde die Verwandtschaft jedoch geklärt. Trotz der 13 Genpaare, bei den domestizierten Arten sind es meist 12 Paare, ist die Zugehörigkeit zur Gattung der Capsicum zweifellos geklärt.

Rhombus BlattformIhre Blattform ist in einer diamantenen Form, daher der Name rhomboideum von Raute bzw. Rhombe.

Die Pflanze wächst strauchartig und wird dabei etwa 1,8 Meter hoch. Ins Auge sticht C. rhomboideum wegen ihrer auffallend gelben Blüten. Nachdem sie befruchtet wurden bilden sich kleine Beeren von nur 3 – 8 mm.

Klein wie Stecknadelköpfe erinnern die Chilis an rote Blaubeeren. Auch das Fruchtfleisch hat eine ähnliche saftige Konsistenz. Selten sind mehr als zwei dunkelbraune Samen enthalten, manchmal auch keine. Wenn es eine Urzeitpflanze unter den Chilis gibt, dann bestimmt Capsicum rhomboideum.

Die saftigen Beeren schmecken zuerst leicht grasig, später kommt eine süßliche Nuance hinzu. Interessant ist blumiges Vanillearoma, was einen Capsaicin Kenner nicht überrascht. Capsaicinoide gehören zur Gruppe der Vanilloide. Diese Chili verursacht ein wundersames sanftes, dennoch präsentes Brennen beim Verköstigen.

Chiletepin (Ur-Chili)

Bei der Chilitepin handelt es sich um eine Capsicum annuum var. glabriusculum. Die „Ur-Chili“ lässt sich ebenso simpel anbauen wie jede andere Capsicum annuum Art . Lediglich ist es etwas schwieriger Tepin-Samen zum Keimen zu bewegen. Hier ist eine gute Wärme von etwa 25 °C wichtig. Chiltepin und andere Wildsorten säen wir daher ganz gerne nach der Vorzucht von „heimischen“ Paprikasorten.

Bild Chiletepin Schote Die Schwierigkeit ist den Keimprozess auszulösen. Was wir wissen, ist das reife Chilitepin leicht vom Strauch fallen bzw. sich einfach lösen lassen. Vögel haben es damit leichter Chili samt deren Körner zu fressen. Durch den flachen Chilisamen gleitet er durch den Darm des Vogels und wird samt einer Düngeladung abgesetzt. Um dies zu simulieren können die Samen in Wasser und Guanopulver eingeweicht werden. Die Erfolge dabei waren akzeptabel. Richtige Chili-Füchse haben schon Chilitepin an Tauben verfüttert, gar nicht mal so schlecht die Idee.

Tepin-Samen einweichen

Wir selbst haben mit dem einweichen in einer Zitronen-Wasser-Mischung gute Erfahrung gemacht. Auf einem halben Glas Wasser kommt der Saft einer halben Zitrone. Vermutlich simuliert der pH-Wert das Milieu im Magen von Vögeln. Vielleicht wird auch durch die Säure die Samenschale durchlässig gemacht. Wir benutzen die Variante des Einweichens gerne. Wir wundern uns nur, weshalb dies nicht öfters gemacht wird.

 

Zurück zum Keimen lassen von Tepins. Wärme ist das A und O. Halten Sie die Keimtemperatur zwischen 25 °C bis 28 °C. Eine 100 % Keimquote ist äußerst selten, da einige Samen taub und nicht keimfähig sind.

Nachdem aus der Chilitepin-Saat Keimlinge gewachsen sind, braucht sie viel Licht, wärme und eine ausreichende Luftfeuchtigkeit. Wenn diese Umweltbedingungen erfüllt werden, wächst die Chiletepin verblüffend schnell. Ausgewachsen erreicht die buschartige Pflanze eine Höhe von einem Meter. Besonders große Exemplare können bis auf 3 m anwachsen. Ein Klima aus dem Grenzgebiet zwischen den USA und MexiKo lässt sich in einem Gewächshaus simulieren. Herkunft der Chiletepin liegt in den Borderlands und in der Sonora-Wüste in Mexiko.

Von Chiletepin-Büsche lassen sich in einer Saison tausende an kleinen Früchte ernten. Meist sind sie winzig klein aber super Hot. In diesen sind oft nur zwei bis drei Chilisamen, von denen sich meistens nicht alle vollständig entwickelt haben, was das Gerücht wie ein Lauffeuer verbreitet hat, dass Chilitepin so schwer zu keimen gebracht werden kann.

Vogel Aji

Es wird vermutet das Vogel Aji die Ur-Pflanze aller Capsicum baccatum ist. Von beerenartigen Chilipflanzen lassen sich viele, reife Schoten leicht lösen. Bei den meisten Wildarten fallen deren Schoten im Gegensatz zu den gezüchteten Sorten leicht ab. In der Küche lassen sich die vollmundigen Chilis frisch verwenden. Ein überragendes Chilipulver lässt sich aus getrockneten Vogel Aji’s mahlen.

Der Schärfegrad von den aufrecht wachsenden Vogel Aji (PI 238061) Früchte liegt bei 7. Sie erinnern an kleine Glühlampen in Kerzenform und reifen nach rot-orange ab.

Eine recht unkomplizierte wilde Chili. Sie toleriert auch nicht ganz perfekte Anbaubedingungen. Für den Indoor Anbau ideal. Wer sich mit Bonsai beschäftigen mag, findet in dieser Chili einen guten Kandidat.

Erfahrungsgemäß kann man deren Saatgut bei deutschen Chili-Händler selten kaufen. Es geht hier ja um seltene Sorten und nicht um den Mainstream Chili-Arten. Versuchen Sie es mal bei ausländischen Händlern, eventuell auch bei denen, die sich auf Sämereien von wilden Chilipflanzen spezialisiert sind.

Ekirike

Ekrike ist eine sehr ursprüngliche Capsicum frutescens Sorte. Die Chilipflanze ist süß anzusehen. Ekirike stammt aus einem typischen Verbreitungsgebiet der frutescens Arten, aus dem Norden den heutigen Brasilien.

Sie bildet unglaublich keine Chilischoten mit einer mittleren schärfe. Der Geschmack der reifen Chilis ist zwar sehr vielschichtig aber auch minimal gewöhnungsbedürftig. Am schönsten lässt sich das volle Aroma als Chilipulver konservieren.

Diese Wildsorte ist weder besonders leicht, noch sehr schwer anzubauen. Für Tabasco Pflanzen Züchter, ist es bestimmt nett auch deren seltene Vorfahren zu ziehen.

Cobincho

Cobincho sind einzigartige Capiscum chacoense Pflanzen. Auffällig ist eine erstaunlich starke Verzweigung der kleinen Gewächse. Oft wachsen Sie bis weit unter einem Meter und sind nur etwa 70 cm hoch. Wie appetitliche Jelly Beans sehen ihre reifen Früchte aus, die etwa 50.000 – 100.000 Schärfeeinheiten auf der Scoville Skala erreichen.

Für diese Pflanze brauchen Sie als Chilizüchter viel Geduld. Cobincho Chilisamen gehören vermutlich zu Chilis, die am langsamsten keimen. Beim Wachsen lässt sich die aus Bolivien stammende Wildart ebenfalls viel Zeit. Ihr Warten wird oft erst im zweiten Jahr mit bezaubernden kleinen weißen Blüten belohnt. Werden die Blüten bestäubt, bilden sich am Stiel ovale Beeren an einer ausgeprägten Krone von etwa 10 mm Länge bei 7 mm Durchmesser. Diese werden rot, wenn sie reif sind.

Der Geschmack der Cobincho Chili ist eigen, was nicht heißt, dass sie nicht schmecken. Im Gegenteil, sie bereichern die Vielfalt der Aromen von Chilis. Nur das es nicht so einfach ist deren Geschmack zu erklären. Vielleicht können Sie sich den Geschmack von Tomaten, Erde und Rauch mit grundlegenden Paprika-Geschmack vorstellen.

Capsicum galapagoense

Wie der Name Capsicum galapagoense vermuten lässt, stammt sie von den Galapagos Inseln. Die Lage am Äquator, das türkise Meer und hohe Berge auf der Insel haben für eine hohe Artenvielfalt beigetragen. Zudem war die Insel lange isoliert, so das keine störenden Einflüsse von außen und die Tier- und Pflanzenwelt eingedrungen ist. In diesem Paradies hat sich die wilde Chili zu einem scharfen Juwel entwickelt.

Chilischoten von der Capsicum galapagoense sind höllisch scharf. Ohne große Diskussion ein Schärfegrad von 10. Neben der brennenden Schärfe kann auch eine pfefferige geschmackliche Schärfe wahrgenommen werden. Der Geschmack der saftigen Früchte die an Jelly Beans erinnern ist großartig: rund, scharf mit Pfeffer.

Tolle Wildform der Chili mit einem krautigen Wuchs. Sie wird etwa 1 bis vier Meter groß und eignet sich für Garten, Balkon und Indoor. Wie alle Capsicum verträgt Sie kein Frost. Zum Überwintern muss sie ins Haus geholt werden.

Wild Brazil Chili

Eine wunderschöne, wilde Capsicum chinense Art aus Brasilien. Die Pflanzen hat eine weiße Blüte. Sie bildet reife Beeren, die aufrecht stehend wachsen. Fast kugelrund haben Sie reif ein leuchtendes Gelb. Auch für diese ursprüngliche Capsicum chinense gilt: Früchte sind richtig, richtig scharf.

Für die meisten Wildsorten ist es typisch, dass sich die Früchte leicht pflücken lassen. Sie fallen förmlich von alleine ab. Nach der Aussaat der klassischen Chilisorten und deren aus-pflanzen Mitte Mai, ist es Zeit für eine zweite Pflanzrunde. Es wird in der zweiten Anzucht-Periode nochmal richtig wild. Im Sommer lassen sich die Wildsamen der Chilis besser zum Keimen bringen. Auch ist eh nicht mit der Ernte im selben Jahr zu rechnen. Bauen auch Sie wilde Chilisorten an. Sie Erfahren mehr über die Ursprünge, können mit den seltenen Sorten angeben und schmecken neue Aromen.

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Von Drache veröffentlicht am Montag, den 09.05.2016
Letzte Bearbeitung am 06.08.2017

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