Anaheim Chilisorte

Anaheim ist vielleicht die beste Chilisorte zum BBQ. Bei ihrer Entwicklung hatten sogar ausnahmsweise wir Deutschen unsere Finger im Spiel. Begonnen hat die Geschichte der Anaheim Chili in New Mexiko, wo der renommierte Agrarwissenschaftler Dr. Fabian Garcia diese Chili züchtete. Um 1900 stabilisierte er die „NuMex Sorte 9“ mit ihren größeren Chilischoten. Von ihr stammt die legendären Anaheim Chilisorte ab.

Bild Anaheim Chilischoten
Ein kluger Farmer, Emilio Ortega, besorgte sich die Samen dieser neuen Chili und pflanzte sie auf Feldern rund um die kalifornische Stadt Anaheim an. Die Menschen dort waren schnell begeistert und liebten es diese erstklassige Chili zu rösten, befüllen und grillen.

Viele der Anaheimer waren damals Deutsche. Bayern, um genau zu sein. Um 1860 zog es etliche deutsche von Rothenburg an der Tauber nach Kalifornien. Nah am Santa Ana Flusses im Westen der USA siedelten sie sich, unter anderem Daniel Krämer, an. Die deutschen Siedler nannten es ihr neues „Heim an der Ana“ – und so war Anaheim geboren.

Die Früchte der Anaheim Chili werden etwa 20 cm lang. Haben festes und dickes Paprikafleisch und schmecken sowohl grün als auch rot. Ihre Schärfe ist mild. Zwischen kaum wahrnehmbar bis hin zum Schärfegrad 4 ist vieles möglich. Es hängt von der Pflanze und den Anbaubedingungen ab, wie scharf die Früchte letztendlich werden. Haben die Pflanzen wenig Stress durch Fressfeinde, Feuchtigkeit, Nachbarpflanzen und Erschütterungen, bleiben deren Paprikaschoten mild und zahm.

Capsicum annuum

Anaheim Capsicum-Pflanzen gehören zur Familie der Nachtschattengewächse. Zu diesen Gewächsen gehören auch Kartoffeln oder Tomaten. Alle Capsicum Sorten stammen aus Mittel- und Südamerika. Erst als die neue Welt 1492 entdeckt wurde, verbreitete sich Paprika und Chili in den nächsten einhundert Jahren auf sämtliche warmen Kontinente.

In Deutschland kam die Chili von Spanien aus erst relativ spät an. Franzosen hielten nichts von der Schärfe, welche die Kirche ebenfalls verteufelte. So mussten Chilis als Paprika getarnt über Jahre hinweg ihren Weg durch Ungarn nach Deutschland nehmen. Dies dauerte ein paar Jahrzehnte länger. Italiener hatten bis dahin schon längst Chili und Peperoncini in ihr heißblütiges Herz geschlossen.

Anders als zunächst der Name „annuum“ – auf Latein „jährlich“ – zu vermuten lässt, werden Capsicum annuum Chilipflanzen oft älter als ein Jahr. Natürlich nur in warmen, frostfreien Gebieten oder Sie kümmern sich um eine Gelegenheit zum Überwintern im Heim.

Schärfegrad

Rote Anaheim Chilischoten haben einen Schärfegrad zwischen 1 und 3. Dies entspricht 500 – 1.500 Scoville Heat Units (SHU). Rote Schoten tendieren nach 3, während grüne und unreife Anaheims bei 2 liegen.

 

Damit können schärfe-empfindliche Menschen diese milde Sorte ohne weiteres selber anbauen und später vollmundig genießen.

Verarbeitung

Frische Anaheim Chilis sind äußerst delikat. Jedoch nicht zu vergleichen mit gerösteten. Gefüllt mit Frischkäse oder Hackfleisch beim BBQ eine spitzen-mäßige Delikatesse aus Kalifornien.

Zum Befüllen sind die bis etwa 18 cm langen und 8 cm dicken Chilischoten perfekt. Falls Sie einen Gasherd oder ein Gerät zum Flammieren haben, rösten Sie die Haut, bis sie leicht schwarz wird und Blasen wirft. Legen Sie anschließend die Paprika auf einem Brett zum Abkühlen. Köpfen Sie die Schoten mit einem kurzen Schnitt und puhlen Sie deren Trennwände und Samen heraus.

Als Füllmasse eignen sich Frischkäse, Kartoffeln, Reis und Hackfleisch. Kartoffeln und Reis kochen Sie vorher vor. Hackfleisch mit Tomaten und Knoblauch anbraten. Mischen Sie noch Käse in die Füllung, wird sie herzhafter und bindet besser. Damit befüllen Sie Ihre Paprikaschoten und geben diese anschließend noch für 20 Minuten bei 170 °C in den Backofen. Eine weitere Zubereitungsart ist, die Chilischoten mit Tomatensauce im Bräter zu köcheln. Hier sind sie schon nach 12 Minuten gegart.

Besonders lecker ist es, einen Speckmantel um die Schoten zu wickeln. Einfach mit Zahnstocher fest pieken. Das dicke Fruchtfleisch macht es Ihnen einfach.

Anaheim Chilipflanze

Ertragreiche Anaheim-Pflanzen werden recht groß und brauchen etwas mehr Platz. Sie erreichen schnell eine Höhe von 1,2 Meter und mehr. Ihre Blätter haben ein gesundes Grün. Sie trägt im Sommer reichlich Paprikaschoten, welche zuerst in einem hellen Grün glänzen. Erst nach einer längeren Reifezeit wechseln sie ihre Farbe von grün nach rot.

Anzucht

Chili-Samen keimen schneller, wenn sie eine Nacht lang in lauwarmen Wasser liegen. Als Substrat hat sich besonders Kokos-Quelltabs bewährt. Diese sind einfach zu handhaben und bieten eine optimale Grundlage für die Keimung. Nachdem Sie die Samen etwa einen halben Zentimeter tief eingepflanzt haben geht es in ein Zimmer-Gewächshaus. Die Temperatur darin sollte etwa 25 °C betragen.

 

Nicht unter 22 aber auch nicht über 28 Grad Celsius. Ihre Sämlinge werden nach etwa 10 – 14 Tagen anfangen zu schlüpfen. Mehr Wissen zum Thema Einweichen und Einpflanzen haben wir in speziellen Beiträgen hinterlegt.

Wenn sich etwa vier neue Blätter gebildet haben, können Sie Ihre Keimlinge in größere Töpfe umpflanzen.

Pflege

Chilipflanzen brauchen viel Sonne, Wärme und eine leichte Bodenfeuchtigkeit. Anaheim Pflanzen lieben einen lockeren Boden mit vielen Nährstoffen. Eine gute Grundlage ist Tomatenerde mit Perlite gemischt. Da sie viel Platz braucht, ist sie im Garten ab Mai gut aufgehoben. Als Zimmer oder Balkonpflanze sollten Sie ihr ein größeres Pflanzengefäß spendieren. Nach unserer Erfahrung sollten diese mindestens 10 Liter Volumen haben, besser 15 Liter und mehr. Lesen Sie zum Thema Pflege für Chilis auch das wichtige Thema des Gießens.

Düngen

Bei unserer Chiliszucht verwenden wir einige unterschiedliche Dünger. Das liegt zum Beispiel daran, dass unsere Zimmerpflanzen nicht mit unangenehm riechenden organischen Dünger in der Wohnung versorgt werden. Draußen und gerade für Chilisorten mit schweren Früchten verwenden wir gerade natürlichen Dünger gerne. Speziell für Anaheim hat sich für uns ein Tomaten-Langzeitdünger als bewährt. Dieser gibt seine Nährstoffe in zwei Phasen, der Wachstums und Frucht-Phase, ab.

Ein weiter Vorteil ist, dass wir Pflanzen in Kübeln ab September im Haus überwintern lassen können. Unter Kunstlicht ernten wir oft noch bis November frische Chilis. Bei einem Guano Dünger würden wir dann vielleicht den Geruch als störend empfinden.

Ernte

Anaheim Chili können Sie grün, rot und in jeder Phase dazwischen ernten. der richtige Zeitpunkt um Chilischoten zu ernten ist gekommen, wenn sie nicht mehr größer werden. Um sicher zu gehen, schneiden wir Paprika-Schoten an, um deren Samen zu begutachten. Diese Chilisamen sollten voll entwickelt aussehen, auch wenn sie tatsächlich noch nicht keimfähig sind. Erst Samen von reifen, also roten Chilischoten, können nach dem Einpflanzen keimen. Zusätzlich ist ein Geschmackstest sinnvoll. Schmecken Sie zu sehr nach unreifen Früchten, leicht säuerlich und haben einen unattraktiven Geschmack, lassen wir die Chilischoten noch etwas hängen.

 

Von der Blütenbildung bis zur reifen Paprika vergehen bei dieser Sorte etwa 3 Monate. Dazu kommen noch 3 – 4 Monate von der Anzucht bis das sich Blüten bilden. Da wir unsere Chilis zwischen Weihnachten und Neujahr Pflanzen, können wir im Juni anfangen zu ernten. Diese nehmen wir an grünen Anaheim Paprika vor. Grund ist, dass es meist noch zu einer üppigen zweiten Ernte kommt, welche wir dann gerne ganz reif werden lassen. Wenn das Wetter mitspielt, fällt die zweite Welle in die Kürbiszeit.

Diese Chili ist wie alle New Mexican Sorten ertragreich. Gerade dann, wenn Sie die Chance bekommen eine zweite Ernte einzufahren.

Überwintern

Sie können Ihre Chilis auf wenige Stängel zurück schneiden und zum Beispiel im Keller unter Leuchtstoffröhren überwintern lassen. Im nächsten Jahr treiben sie neu aus. Bei Capsicum annuum Pflanzen gelingt dies oft bei zwei Wintern.

Wir mögen es die prächtigsten Pflanzen ab Herbst unter LED-Pflanzenlampen in der Küche oder Arbeitszimmer weiter wachsen zu lassen. Die Anschaffungskosten sind nicht gerade billig, aber die Stromrechnung bleibt bei den wenigen Watt überschaubar.

 

Einen speziellen Beitrag zum Überwintern finden Sie hier. Bitte nehmen Sie sich die Zeit den Abschnitt zur Schädlingsbekämpfung zu lesen. Denn es kommen immer mal mit den Pflanzen von draußen ein paar Läuse oder Spinnmilben ins Haus. Breiten die sich bei der trockenen Heizungsluft schnell aus, geht Ihre Pflanze ruckzuck platt. Gerade bei den schönen Anaheims ein herber Verlust.

Sortenname Anaheim Chili-Paprika
Art Capsicum annuum
Herkunft USA, Kalifornien
Pflanzengröße 80 – 120 cm
Reifedauer 95 Tage
Scoville 500 – 1.500 SHU
Keimdauer 10 – 14 Tage
Keimtemperatur 25 – 28 °C
Pflanzabstand min. 50 cm

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Von Drache veröffentlicht am Donnerstag, den 27.10.2016
Letzte Bearbeitung war am 20.04.2017

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